„Wollen uns in der Oberliga etablieren“

7. November 2013

Bruchsals Vorstand Sport und Marketing Michael Grub im FuPa-Interview

Gemeinsam mit Trainer Mirko Schneider ist der Vorsitzende für Sport und Marketing Vater des Erfolgs beim Oberliga-Aufsteiger 1. FC Bruchsal. Noch vor einigen Spielzeiten drohte der Abstieg in die A-Klasse, seither ging es in der Barockstadt steil bergauf. FuPa-Mittelbaden hat sich mit Michael Grub über die Ziele, Visionen und die Philosophie des 1. FC Bruchsal unterhalten.

Herr Grub, der Begriff Kontinuität wird im Fußball geradezu inflationär gebraucht. In Bruchsal wird Kontinuität aber auch gelebt. 2014 jährt sich ihr Engagement zum 15. Mal. In dieser Zeit haben Sie einiges bewegt.
Grub: Es hat sich viel verändert, seit ich damals als Jugendtrainer beim 1. FC begonnen habe. Das stimmt. Der Nichtabstieg aus der Kreisliga mit vielen A-Jugendlichen war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Der Weg des 1. FC Bruchsal geht seither steil nach oben. Wir haben den Sprung von der Kreis- bis in die Oberliga geschafft, da wollen wir nun auch bleiben und uns in den nächsten Jahren dort etablieren.

Auch ihr Cheftrainer Mirko Schneider bekleidet das Amt bereits seit siebeneinhalb Jahren.
Grub: Heutzutage werden Dinge viel zu kurzfristig betrachtet, nur der schnelle Erfolg zählt. Uns ist es wichtig, in allen Bereichen langfristig zusammenzuarbeiten. Das fängt bei Betreuern und Abteilungsleitern an und mündet im Trainer, der zuvor schon eineinhalb Jahre als Co-Trainer bei uns arbeitete. Es gibt immer Höhen und Tiefen in einer Zusammenarbeit, doch ich habe seine Arbeit nie vom Tabellenplatz abhängig gemacht.

Ein Fußballverein besitzt auch eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Spielern und Mitgliedern. Sie werden diesem Anspruch gerecht.
Grub: Man muss junge Leute auch mal außerhalb des Platzes führen, wenn es die Situation erfordert. In den meisten Fällen übernimmt es das Elternhaus, doch auch die Vereine sind gefordert, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. Wir haben diese Aufgabe bislang erfüllt. Auch ehemalige Spieler finden einen Platz im Verein. Das sind Dinge, die mir wichtig sind.

Dies erinnert sehr an die Philosophie des FC Bayern München, der sich mit Uli Hoeneß an der Spitze nicht nur einmal dieser Verantwortung stellte. Können Sie sich mit der Person Uli Hoeneß identifizieren?
Grub: Uli Hoeneß hat mehr als nur einmal einem Verein die Hand gereicht, wenn er in eine finanzielle Schieflage geraten war. Er unterstützt viele Projekte, er kümmert sich um Menschen, denen es schlecht geht, versucht ihnen eine Aufgabe zu geben, sie im Verein zu integrieren. Was er mit dem FC Bayern alles geschafft hat, ist eine tolle Geschichte. Vor dieser Leistung habe ich höchsten Respekt.

Sicher aber nicht vor seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. Was ist Ihre Meinung dazu?
Grub: Über die steuerliche Verfehlung des Uli Hoeneß brauchen wir an dieser Stelle nicht zu sprechen. Da gibt es keine zwei Meinungen.

Dann lassen Sie uns über ihre Ziele und Visionen sprechen. Wohin soll der Weg des 1. FC Bruchsal in den nächsten Jahren führen?
Grub: Visionen sind immer auch mit Träumen verbunden. Wir träumen davon, dauerhaft in der Oberliga zu spielen, uns auch mal im DFB-Pokal zu messen und eine taugliche Infrastruktur aufzubauen, die es uns ermöglicht das Niveau langfristig zu halten. Da sind wir noch nicht oberligagreif, doch wir versuchen das in kleinen Schritten hinzubekommen. Wir haben keine großen Unternehmen, die uns unterstützen. Über das Engagement des Mittelstandes sind wir dankbar. Sollten wir irgendwann einmal dahin kommen, dass wir die „Big Player“ der Region unsere Partner nennen dürfen, würden wir auch nicht durchdrehen. Ich würde dieses Geld dazu verwenden, uns breiter aufzustellen, in den Jugendbereich zu investieren. Die Jugendlichen an die Hand zu nehmen, auch mal Unterstützung bei den Hausaufgaben zu geben, da müssen wir hinkommen und die Nachwuchsförderung vorantreiben. Der Weg wird noch ein paar Jahre dauern. Dieser ist aber auch mit wirtschaftlichem Wachstum verbunden.

Dann hat der 1. FC mit der Oberliga bereits das Möglichste erreicht?
Grub: Mehr ist nicht möglich. Das hat verschiedene Gründe. Wir sind ja auch kein Traditionsverein, die Stadt Bruchsal oder die Region ist nicht vergleichbar mit Karlsruhe oder Mannheim. Meine Motivation geht eher in einen anderen Wettbewerb. Es wäre schön, wenn wir es mal in den DFB-Pokal schaffen. Die Regionalliga streben wir nicht an. Dann geht es nur noch ums Geld. Diese Möglichkeiten gibt es nicht in Bruchsal. Spieler mit Qualität kommen nur zu uns, weil sie einen Arbeitsplatz erhalten. Sie bleiben so langfristig hier, identifizieren sich mit der Region und dem Verein. Das ist unser Weg. Stand heute ist es auch der richtige. Ob wir in einigen Jahren noch so denken, werden wir sehen. Wichtig ist es Kontinuität im Kader zu haben, mit Spielern zu arbeiten, die den Fußballsport in der Oberliga als Freizeitsport auf gehobenem Niveau betreiben wollen.

Zuletzt wurde die Verletztenliste immer länger. Sie wurden in der Tabelle auf den 14. Platz durchgereicht. Sehen Sie Handlungsbedarf, den Kader im Winter nochmal zu vergrößern?
Grub: Nein, Handlungsbedarf haben wir sicherlich nicht. Die Verletzten kommen nach und nach zurück, so dass wir bald wieder eine schlagkräftige Mannschaft auf den Rasen schicken können. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, perspektivisch jemanden zu verpflichten, der uns weiter bringt, dann müssen wir sehen, zu welchen Konditionen das möglich ist. Ausschließen kann man im Fußball ja nie etwas.

Wenn Sie die bisherige Saison einmal Revue passieren lassen. Wo muss sich die Mannschaft noch verbessern?
Grub: Verbessern müssen wir uns sicherlich noch in der Defensive. Das müssen wir über die Runde hinaus angehen und eine bessere Balance hinbekommen. Es liegt aber mehr an der Quantität als an der Qualität. Wenn jedoch keiner auf dem Markt ist, der einen Arbeitsplatz sucht, können wir keine Spieler holen. Es gab defensiv keinen Spieler im Sommer, der das Leistungsniveau und die Kriterien erfüllt hätte. Oftmals gilt der eigene Prophet im Land nichts. Bei uns ist das anders. Der, der kommt, muss erst mal besser sein, als der eigene.

Machen sich die Verantwortlichen nicht angreifbar, wenn die Neuzugänge nur sporadisch zum Einsatz kommen?
Grub: Entscheidend ist, dass der Verein funktioniert, der sportliche Erfolg da ist. Dann passt auch die Wahrnehmung. Unser Trainer stellt nach Leistung auf, da gibt es genügend Beispiele aus der laufenden Saison. Transparenz gegenüber den Spielern und Fans ist uns wichtig. Es muss erkennbar sein, dass nicht nach Namen oder vergangenen Erfolgen aufgestellt wird, sondern nach dem Hier und Jetzt. Ist das nicht der Fall, würde es jedem Spieler schwer fallen, sich zu motivieren. Bei uns gilt das Leistungsprinzip, das war uns schon immer wichtig. Mirko verkörpert das, er lebt es vor. Da ticken wir ähnlich, wie in vielen anderen Bereichen auch. Das ist wichtig für eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit

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