Interview – D1-Junioren

8. Oktober 2017

Heute kommt Andreas Weiß zu Wort. Den Trainer der D1-Junioren darf man wahrlich als ,,FC-Urgestein“ bezeichnen.
Hallo Andreas, du bist ein Urgestein beim 1.FC Bruchsal. Kannst du uns ein bisschen etwas über deinen Werdegang erzählen.
Hallo Timo,
ja, mich darf man getrost als „Urgestein“ in diesem Verein bezeichnen. Ich bin seit 32 Jahren Mitglied beim 1.FC Bruchsal bzw. dem TSV 08 Bruchsal (einer der Vorgänger-Vereine des 1.FC Bruchsal).
Mit 5 Jahren habe ich beim TSV 08 Bruchsal mit dem Fußballspielen begonnen. Hier habe ich bis zur D-Jugend und nach der Fusion mit dem VfB Bruchsal im Jahr 1990 danach bis zur A-Jugend alle Jugendmannschaften durchlaufen. Parallel dazu habe ich im Alter von 16 Jahren bereits in den Senior-Bereich „hineingeschnuppert“, wobei ich erste Erfahrungen in der 3. Seniorenmannschaft (C-Klasse Bruchsal), die es damals noch beim 1. FC Bruchsal gab, sammelte. Ziemlich zügig habe ich es im Alter von 18 Jahren über die 2. Seniorenmannschaft (B-Klasse) in die 1. Seniorenmannschaft geschafft. Diese hat damals (1997/1998) in der Bezirksliga Bruchsal gespielt, was einer heutigen (gut bestückten) Kreisliga entspricht. Das war natürlich überragend im jungen Alter mit fußballerischen „Koryphäen“ wie Werner Sebök, Alexander Fritz, Harald Bader usw. zu spielen. Das hat mir sehr viel gebracht in meiner fußballerischen Ausbildung. Der Höhepunkt kam im Jahre 2005, als ich mit dem 1.FC Bruchsal in der Relegation den lange ersehnten Aufstieg in die Landesliga Mittelbaden schaffte. Nach einer Saison in der Landeliga Mittelbaden, die eine große Herausforderung war und wir uns in der Liga halten konnten, wechselte ich vereinsintern aus beruflichen und familiären Gründen zurück in die zweite Seniormannschaft, wo ich unter Trainer Michael Walch mit vielen alten Weggefährten aus der Jugend in der Kreisklasse A spielte. Gleich in der ersten Saison schafften wir mit ausschließlich einheimischen Spielern den Aufstieg in die Kreisliga Bruchsal. Hier hielten wir uns in den darauffolgenden zwei Jahren in der Liga, was ein Riesen-Erfolg als zweite Mannschaft war und bis zum heutigen Zeitpunkt.
Von 2007 bis 2010 ließ ich meine Karriere beim FC Albsiedlung (einem kleinen Karlsruher Verein in Daxlanden) mit dem Aufstieg von der C- in die B-Klasse ausklingen. Auch hier war Michael Walch mein Trainer.
Seit 2010 spiele ich in der AH-Mannschaft beim 1.FC Bruchsal und bin zudem Trainer in der Jugendabteilung.
Wie man sieht, habe ich bis auf 3 Jahre meine komplette aktive Fußballkarriere bei meinem Heimatverein verbracht, was heutzutage – aus meiner Sicht – leider viel zu selten vorkommt. Ich würde sogar sagen, dass es mir in meiner Entwicklung sehr geholfen hat.

Welches Saisonziel habt ihr euch mit der D1 gesetzt?
Wir möchten aufgrund unseres Spielerpotenzials um die Meisterschaft in der Vorrunde (Kreisklasse A) mitspielen, jedoch mindestens den 3. Platz in dieser Liga erreichen, womit wir uns in der Rückrunde für die Kreisliga – der höchsten Spielklasse im D-Jugend-Bereich – qualifizieren und uns dann mit den besten D-Jugend-Mannschaften im Fußballkreis Bruchsal messen würden. Das wäre für unsere Kinder und uns Trainer bestimmt eine tolle Erfahrung und Herausforderung. Diese möchten wir aber natürlich ohne großen Druck auf die Spieler (innen) schaffen, d.h. wenn wir Platz 1-3 nicht schaffen, ist das auch nicht schlimm. Hauptsache die Kinder haben Spaß am Fußball!

Wie funktioniert die Aufgabenverteilung in eurem Trainerteam, das aus Manfred Rzesanke, Norbert Reichert und dir besteht ,gibt es da kein Kompetenzgerangel?
Überhaupt nicht. Seit Mitte letzter Saison ist Norbert zu uns ins Trainerteam gerückt. Bis dahin haben Manfred und ich über Jahre hinweg alleine gemacht. Mit Norbert haben wir natürlich sehr viel an fußballerischem Wissen und Können hinzugewonnen, da er über Jahrzehntelange Erfahrung als semiprofessioneller Fußballspieler und -trainer (auch im Jugendbereich) verfügt. Manfred und ich sind sehr froh, dass wir ihn haben. Er leitet zusammen mit uns die Trainingseinheiten, macht Ansprachen vor den Spielen und stellt die Kids taktisch ein. Natürlich reden wir im Trainerteam vor den Trainings und Spielen über die Inhalte bzw. die Taktik oder Aufstellung. Ich kenne Norbert schon sehr lange – ich habe mit ihm früher in der 1. Mannschaft gespielt – und wir sind froh, dass er uns so tatkräftig unterstützt. So sind wir in den Trainingseinheiten immer mind. zwei Trainer und nicht wie früher oft alleine. Das sind augenscheinlich bessere Voraussetzungen, alleine schon von der Man-Power. Mehrere Trainer können die Trainingsinhalte und Übungen definitiv besser vermitteln als einer alleine.
Vergessen darf man hier auch nicht Jonathan Dech, der als Torwarttrainer fungiert, und Armin Neff, der uns oft bei den Spielen als Betreuer oder Schiedsrichter unterstützt, und auch schon Trainingseinheiten geleitet hat, wenn Manfred und ich in der Vergangenheit beruflich nicht anwesend sein konnten. Auch Lutz Autenrieth hat uns schon bei einem Verbandsspiel als Betreuer und Trainer an der Seitenlinie geholfen.
Insofern würde ich behaupten, dass unser Trainerteam doch ganz gut aufgestellt ist und wir positiv in die Zukunft blicken können.
Für Kompetenzgerangel haben wir keine Zeit ;-DD

Wie würdest du eure Ausbildungsphilosophie beschrieben. Auf was legt ihr besonders wert.
Unsere Ausbildungsphilosophie besteht darin, dass wir durch ein abwechslungsreiches Training, welches zu einem großen Teil an den offiziellen Lehrinhalten des DFB angelehnt ist, die Kinder im spielerischen, technischen und taktischen Bereich so weit zu bringen, dass sie beim Spiel auf dem Fußballplatz im Idealfall in der jeweiligen Spielsituation die hierfür „richtige“ Entscheidung zu treffen. Das wäre natürlich der Idealfall. Vor allem wollen wir, dass die Kinder Spaß am Fußballspielen haben. Und auf jeden Fall wollen wir alle Kinder, egal welche fußballerischen Voraussetzungen sie haben, „mitnehmen“ und sie bestmöglich in ihrer Entwicklung unterstützen. Das zeigt sich auch daran, dass wir bei den Spielen im Kader durchrotieren, sodass möglichst alle Spieler zum Einsatz kommen können.
Die Trainingseinheiten sehen dementsprechend so aus, dass wir ausschließlich, auch wenn mal eine Konditionseinheit von Nöten sein sollte, Übungen mit dem Ball durchführen. Stupides Rennen und Kondition bolzen ist in dieser Altersklasse meiner Meinung nach nicht zielführend. Schnelle Spiele mit Ball in kleinen Feldern mit verschiedenen Variationen bringen viel für die Kondition, Laufwege, das Spielverständnis sowie die Technik. Im Moment versuchen wir, das Spielsystem mit einer Vierer-Abwehrkette einzuführen. Bei unserem letzten Auswärtsspiel in Heidelsheim haben das die Kids schon erfolgreich gespielt. Wir denken, gerade auch mit Hinblick auf die nächste Saison und den Wechsel auf das Großfeld, dürfte es kein Fehler sein, wenn die Kinder mehrere Spielideen verinnerlicht oder zumindest schon einmal gespielt haben.
Abschließend zu sagen ist, dass die Kinder beim Fußballspielen – egal ob beim Training oder beim Spiel – Spaß haben sollen! Sicher ist es schön, wenn die Kids erfolgreich sind, aber aus meiner Sicht sollte in diesem Alter nicht das Siegen um jeden Preis im Vordergrund stehen. Bei manchem Trainer, deren Verhalten ich am Spielfeldrand so beobachte, habe ich leider dieses Gefühl.

Ihr begleitet die Kinder nun schon ein paar Jahre. Was war für dich dein sportliches Highlight, das du erleben durftest?
Aus meiner Sicht war natürlich die diesjährige Meisterschaft in der Kreisklasse C (Rückrunde) das sportliche Highlight. In neun Spielen blieben wir bei 7 Siegen und 2 Unentschieden sowie einem Torverhältnis von 35:7 ungeschlagen. Das war überragend von den Jungs und Mädels.
Welche Werte erachtest du als wichtig und versucht ihr den Kindern zu vermitteln.
Ich finde althergebrachte Werte wie Fairness und Respekt äußerst wichtig im Fußball. Wie ich schon oben erwähnt habe, sollte das Siegen im unteren Jugendbereich nicht im Vordergrund stehen, auch wenn Erfolg natürlich etwas Schönes ist. Aber ein um jeden Preis errungener Sieg verliert seinen Wert.
Diese Werte vermitteln wir den Kindern im Spiel und Training. Auch unsere Eltern am Spielfeldrand da sehr vorbildlich, was ich hier erwähnen möchte. Sehr großes Lob an dieser Stelle. Sie unterstützen die Kinder, aber an unfaire Kommentare zu Gegenspielern oder dem Schiedsrichter kann ich mich nicht erinnern.
Für unsere Kinder haben wir daher schon vor zwei Jahren einen mannschaftsinternen „Verhaltenskodex“ erarbeitet, den alle kennen und an den sich die Kinder auch größtenteils halten. Nur wenn ich mich Anderen gegenüber fair verhalte, kann ich von diesem Respekte erwarten. Mit dieser Devise sind wir über die Jahre immer sehr gut gefahren.

Der 1.FC Bruchsal ist mitten dabei sich neu aufzustellen im Jugendbereich. Ein Jugendkonzept wurde eingeführt, Abläufe wurden verändert. Wie stehst du zu den Änderungen als langjähriger Jugendtrainer beim 1.FC.
Ich finde prinzipiell super, dass das Jugendkonzept – maßgeblich durch dich – auf den Weg gebracht wurde. Aber wie bei jedem Konzept lebt dieses natürlich von den Personen, die es mit Leben füllen. So machen die Jugendkoordinatoren in der C- bis A-Jugend und von Bambini bis D-Jugend absolut Sinn. Soweit ich weiß, gibt es in Alex Subotic bisher aber nur den Koordinator für den C- bis A-Jugendbereich. Für die Mannschaften darunter noch nicht. Hier sollte aus meiner Sicht nachgesteuert werden.
Zudem fände ich toll, wenn für den unteren Jugendbereich „Jugendsponsoren“ aktiv gefunden würden, um z.B. dringend benötigte Anschaffungen wie Trikotsätze schneller bewerkstelligen zu können.

Vielen Dank für das Interview.

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